Marte Meo Magazine

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    Das Potential der Marte Meo Methode aus klinisch-psychotherapeutischer Sicht
    Einladung zum Perspektivwechsel

    Veröffentlicht:August, 2014

    Autor: Dr. phil. Christian Hawellek

    Hauptstichwort: Potential der Marte Meo Methode

    Nebenstichwörter: Beobachtungsgeleitete Therapie-/Beratungsmethoden
    Beratungsbeziehung
    Gegenwartsmomente
    klinisch-psychotherapeutischer Sicht, das Potential Marte Meo Methode aus -
    Präsentation Bilder
    Präsentieren
    videobasierte Therapie-/Beratungsmethoden
    Vitalitätsformen - Vorstellungen/Selbstbilder, repräsentierte -


    Marte Meo Magazine 2014 | Article 33G
    Übersicht:
    Das Medium der psychosozialen Beratung und Psychotherapie ist das Gespräch. In den letzten Jahren haben sich beobachtungsgeleitete und videobasierte Beratungsformen wie Marte Meo entwickelt. Der Artikel zeigt auf, in welcher Weise diese Arbeitsformen die traditionelle Form der therapeutischen Gespräche sinnvoll anreichern und ergänzen können.

    »Das Leben wird vorwärts gelebt und im Rückblick verstanden.« [Søren Kierkegaard]

    1. Vorbemerkung
    Dieser Aphorismus Søren Kierkegaards charakterisiert auch die Marte Meo Methode, …


    … denn ein Kernstück der Methode ist die Rückschau auf vergangene Situationen und Momente. Dabei sind die Klienten(1), wie in diesem Buch beschrieben, eingeladen, auf sich selber und eine vergangene soziale Situation zu schauen. Der Begriff Rückschau oder »Review« steht in einem engen Bedeutungszusammenhang mit den Begriffen »Rücksicht« und »Respekt«.(2) Bei den Beratungen wird gemeinsam auf eine Alltagssituation geschaut und dies geschieht, wie in diesem Buch(*) und in der DVD ausführlich dargestellt, als ein Rückblick im Rahmen einer respektvollen beraterischen bzw. therapeutischen Situation. (s. auch Marte Meo Information Nr. 09, Kap. 3.1.1.)(*) Wie in allen therapeutischen Beziehungen gehört der Respekt vor der Würde der Person zum Fundament der Arbeit insbesondere deshalb, weil die Rückschau in beobachtungsgeleiteten Beratungen wie Marte Meo immer eine asymmetrische Struktur aufweist.
    Die Videobilder zeigen eine persönliche Situation der Klienten, an der nichts revidiert, nichts hinzugefügt oder verändert werden kann. Die Klienten zeigen sich genau so, wie sie sich verhalten haben. Das einzige, was veränderbar ist, sind die Bedeutungen, die den jeweiligen Momenten und Szenen von den Beobachtern gegeben werden. Aus diesem Grunde erfordern die Gespräche über die präsentierten Bilder respektvolle und empathische Kommentare, die neue positive Entwicklungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zeigen bzw. erschließen können. Ein solcher Gesprächsrahmen erleichtert den Klienten, Mut zu schöpfen und eine Einladung zum Perspektivwechsel auf sich selber und ihre Situation anzunehmen.
    Eine respektvolle Einstellung zu den Bildern und damit zu der Würde der darauf abgebildeten Personen
    ist besonders in Zeiten eines weithin verbreiteten Missbrauchs von Videobildern in der digitalen Medienwelt eine Conditio sine qua non – und das nicht nur in psychosozialen Arbeitsfeldern. Die nachstehenden Gedanken versuchen Verbindungen zwischen den beobachtungsgeleiteten Marte Meo Beratungs- und Coachingprozessen und der eher gesprächsorientierten psychotherapeutischen Arbeit aufzuzeigen. Sie vertiefen und erweitern damit die Überlegungen, die bereits an anderer Stelle vorgelegt wurden (Hawellek, 1995, 1997, 2005, 2006, 2011, 2012).
    Ein besonderes Anliegen des vorliegenden Textes ist es, die Bedeutungen der Arbeiten Daniel Sterns für die Marte Meo Arbeit herauszustellen. Eine systematische und ausführliche Würdigung seines Beitrages zur theoretischen Fundierung der beobachtungsgeleiteten und videobasierten Marte Meo Arbeit würde allerdings den Rahmen dieses Beitrages sprengen und muss an anderer Stelle erfolgen.

    Inhaltsübersicht:

    1. Vorbemerkung
    2. Repräsentierte Vorstellungen und Selbstbilder
    3. Die Präsentation von Bildern und Szenen in der Beratung
    3.1. Gegenwartsmomente
    3.2. Vitalitätsformen
    3.3. Formen der Präsenz
    4. Zum Potential beobachtungsgeleiteter Marte Meo Arbeit
    4.1. Die Bedeutung der Beratungsbeziehung
    4.2. Wirkprinzipien im Therapie- und Beratungsprozess
    Werkzeugkasten
    Bibliografie

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